Auf der Suche nach dem „schönen Abstand“

Sechs Bildhauer, eine Ausstellung

AACHENER ZEITUNG – 16. AUGUST 2020 UM 17:44 UHR | Lesedauer: 2 Minuten

ESCHWEILER. Sie sind stets auf der Suche nach „dem schönen Abstand“, der dem Betrachter beim Blick auf das Kunstwerk die Möglichkeit zum Perspektivwechsel einräumt.

VON ANDREAS RÖCHTER
Fotos: Oliver Blum

Mit Dirk Gottfriedt, Axel Kreiser, Lothar Krüll, Bernhard Kucken, Franz Küsters und Herbert Willems stellen jetzt sechs Bildhauer im Rahmen der Ausstellung „Über den Abstand“ in der Galerie Art Engert in Eschweiler aus.

Das Sextett hat sich im „Sculptureclub“ Düsseldorf zusammengeschlossen. Bei der Wahl des Titels spielte natürlich auch die Corona-Pandemie eine Rolle, die die Menschen herausfordert, voneinander Abstand zu halten. „Doch mit Abständen, Proportionen, Maßen, Volumina sowie dem ins Verhältnis setzen von Gegenständen hat der Bildhauer grundsätzlich zu tun“, erklären Dirk Gottfriedt und Axel Kreiser übereinstimmend.

Die Künstler, allesamt aktuelle oder ehemalige Dozenten der Kunstakademie Düsseldorf, folgen künstlerisch völlig unterschiedlichen Ansätzen und benutzen die verschiedensten Materialien, die von Gips über Kunststoff bis Metall reichen. „Gleich ist den sechs Bildhauern jedoch ihre Experimentierfreudigkeit und die Fähigkeit, ihr eigenes Material aus dem Effeff zu kennen und zu beherrschen“, ergänzt Kunsthistorikerin Juliane Becker, die als Kuratorin der Ausstellung fungiert.

„Der Sinn unseres Clubs besteht darin, einen bunten Strauß verschiedenster Bildhauer-Philosophien unter einen Hut zu bringen“, macht Bernhard Kucken deutlich. Dabei bleibe aber die Individualität stets gewahrt. „Wir haben uns im Blick, gehen aber unsere eigenen Wege, die sich jedoch hin und wieder kreuzen“, beschreibt Herbert Willems das Geschehen und erntet Kopfnicken nicht nur von Lothar Krüll.

Dieser unterstreicht, dass es sowohl für den Künstler als auch für den Betrachter gelte, zu jedem Werk den individuell richtigen Abstand zu finden. „Der Blick aus großem Abstand dient dem Gesamtüberblick. Doch wer sich dem Werk auch mal ganz aus der Nähe widmet, der kann ins Detail gehen und womöglich auch erkennen, auf welche Weise die Skulptur entstanden ist“, hält Bernhard Kucken einen Ratschlag in Richtung der Ausstellungsbesucher bereit. Galeristin Anita Engert zeigt sich glücklich, endlich wieder Künstler und Kunst präsentieren zu können: „Hinter uns liegt eine sehr aktive Zeit, die von zahlreichen, allerdings nicht persönlichen, Kontakten geprägt war“, sagt die Galeristin. Die nun eröffnete Ausstellung sei eine „Demonstration für die bildende Kunst in schwierigen Zeiten“. Die Gegenwart zeige leider, dass Kunst wohl nicht als systemrelevant angesehen werde.

Noch bis zum 17. Oktober zu sehen

Die Skulpturenausstellung „Über den Abstand“ ist bis einschließlich Samstag, 17. Oktober, in der Galerie Art Engert, Wilhelmstraße 73g, zu sehen.

Die Galerie ist von dienstags bis freitags jeweils zwischen 13 Uhr und 19 Uhr sowie samstags nach Vereinbarung geöffnet.

Weitere Informationen gibt es im Netz auf www.galerieartengert.de.
Das Video zur Ausstellung gibt es hier: http://www.galerieartengert.de/bilder/skulpturenclub.mp4

 

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